Ohne dass man je in Island gewesen sein muss, kennt man sie trotzdem: die Islandpferde. Bei uns werden sie oft als Islandponys oder Fjordpferde bezeichnet. Wir haben aber direkt vor Ort gelernt: Ponys sind die Islandpferde nicht und Fjordpferde sind eine eigene Rasse. Aber das ist eigentlich nebensächlich und nur ein bisschen Klugscheißerwissen.
Bereits auf unserem Roadtrip im Sommer haben wir die flauschigen Pferde auf der ganzen Insel gesehen. Am Vestrahorn liefen sie sogar frei herum und wir standen mitten in einer Herde. Als wir nun unsere Winter-Reise nach Island planten, wollte gerade Melanie unbedingt einen Ausritt auf diesen friedlichen Tieren machen.

Buchung und Planung
Von Deutschland aus kann man nahezu in oder um jede größere isländische Stadt Reittouren buchen. Dabei ist es abhängig, wie lange die Touren sein sollen und ob man Reiterfahrungen hat oder nicht. Bei unserem Winter-Roadtrip passte es gut in die Zeit, in der wir in Reykjavik waren. So buchten wir uns eine Halbtagestour für Anfänger bei Íshestar Riding. Auf der Seite haben wir vorab gelesen, dass man weder besondere Kleidung noch besondere Kenntnisse mitbringen muss. Warme Kleidung ist im Winter in Island selbstredend. Die benötigt man immer und überall, sobald man sich draußen bewegt.
Ab in den Reitanzug
Zirka 15min vom Stadtzentrum Reykjaviks entfernt liegen die Stallungen der Pferde von Ishestar. Wir sind mit unserem Sunnycars Mietwagen direkt hingefahren. Alternativ bietet Ishestar auch einen Shuttle von unzähligen Hotels und Apartment in Reykjavik. Wir wurden gleich am Eingang freundlich begrüßt und unsere Buchung kontrolliert. Es waren bereits einige andere Reiter da, die mit dem besagten Shuttle abgeholt wurden. Es gab Kaffee und Kakao zum Aufwärmen und alle sollten sich einen Platz vor einem großen Bildschirm suchen. Hier wurde erstmal ein kleines Tutorial gezeigt, was den Umgang mit den Pferden zeigte und erklärte wie man auf die Pferde auf- und absteigt. Außerdem wurde die Steuerung der Tiere gezeigt, gerade für Flo und Ben absolutes Neuland.




Nachdem alle Unklarheiten beseitigt waren, wurden wir einkleidet. Wir bekamen winddichte Overalls und einen Helm. Bei Bedarf kann man vor auch dicke Schuhe oder Gummistiefel ausleihen, aber wir waren mit unseren Garmont Boots gut ausgestattet.
Das passende Pferd
Nun ging es endlich in den Stall. Dort angekommen, schauten ganz viel Islandpferde neugierig aus ihren Boxen. Die Pflegerinnen schauten sich die Reiter an, fragten jedem nach seinen Vorkenntnissen und Reitkünsten und suchten dann das passende Pferd aus. Wir bekamen alle ein Pferd zugeordnet und führten es auf die Koppel. Wir sollten uns nun erstmal unserem Pferd vorstellen und Kontakt aufnehmen, es streicheln und einfach etwas Zeit mit ihm verbringen. Während dieser Zeit bekamen die Pferde ihre Sättel und uns wurde nochmal einiges zu den Pferden erklärt.

Im Gegensatz zu den meisten Pferderassen laufen Islandpferde gern direkt hintereinander und wollen keinen Abstand zum Vorderpferd halten. Wie bei uns Menschen mögen sich einige mehr und andere weniger, was die Reihenfolge beim Ausritt beeinflusst.
Auf los gehts los
Nun war es aber endlich so weit. Wir durften uns auf die Pferde setzen. Besonders grazil sahen wir alle beim Aufsteigen nicht aus, aber darum ging’s hier auch nicht. Die Steigbügellänge wurde noch angepasst und schon ging es los. Wir bekamen eine deutschsprachige Guidin zugeordnet. Janina ritt vorne weg und unsere Pferde liefen einfach hinterher. Das war wirklich anfängerfreundlich. Die Tiere liefen ganz ruhig und trittsicher durch die verschneiten Stallanlagen. Nach dem großen Reitplatz schienen wir das Gelände zu verlassen. Es war alles herrlich verschneit und wunderbar ruhig.
Janina erklärte uns, dass wir uns auf Reitwegen befinden, die für alle anderen Verkehrsteilnehmer gesperrt sind, also auch Spaziergänger und Fahrradfahrer sind hier verboten, dass sich die Pferde nicht erschrecken. Im Sommer sieht man neben den Wegen die typischen moosbedeckten Lavafelder, bei uns war einfach alles weiß.


Nachdem wir 20 Minuten unterwegs waren, fragte uns Janina, ob wir jetzt bereit wären schneller zu reiten. Na klar! Sie erklärte uns, worauf wir achten sollen und wie wir die Tiere sanft dazu bewegen können, dass sie in den Tölt wechseln. Da die Pferde komische Touristen auf ihren Rücken kennen, mussten wir ehrlicherweise eigentlich gar nichts machen. Die Pferde wechselten nach einem kleinen Stupser in den Tölt und wir fühlten uns wie Cowboys im wilden Westen. Nach einigen Metern verlangsamte Janina das Tempo und fragte nach, ob es allen Spaß gemacht hat und ob wir auch noch eine Schippe drauflegen wollen. Auf jeden Fall wollten wir das und los ging es wieder in den Tölt und danach sogar in den Pass. So ritten wir insgesamt gut eine Stunde durch die verschneite Landschaft, bis wir wieder auf der Koppel ankamen.
Zurück am Stall von Ishestar
Als alle Pferde wieder auf der Koppel waren, stiegen wir wieder ab und streichelten unsere Pferde ganz ausführlich. Jeder musste sich nun darum kümmern, dass der Sattel wieder vom Pferd herunterkommt und das Zaumzeug abgenommen wird. Wir konnten jetzt noch so viel Zeit wie wir wollten auf der Koppel verbringen, die Pferde streicheln und zusehen, wie sie sich im Schnee wälzten. Danach gaben wir die Overalls ab und wärmten uns bei Kaffee, Tee und Kakao wieder auf.


Gerade für ungeübte Reiter ist dieser Ausritt definitiv ausreichend. Der Muskelkater am nächsten Tag könnte gemein werden.
Tierschutz
Tierschutz wird unter den Reitern in Island großgeschrieben. Janina erzählte uns, dass es genaue Vorgaben der Behörden gibt. Beispielsweise dürfen die Tiere nicht mehr als 3 Stunden am Tag arbeiten bekommen. Außerdem bekommen sie über ein halbes Jahr Urlaub und verbringen die meiste Zeit auf Koppeln und nicht im Stall.